Die Justiz-Robe: Beschaffenheit, Qualität, Details

Die Anwaltsrobe, die ihren Ursprung in der Kabinettsorder Friedrich Wilhelm I. am 15.12.1726 findet, hat nach diesem Erlass ein schwarzer wollener Mantel zu sein, der bis unter das Knie geht.

Zunächst ergibt sich also die Frage, ob Roben aus nicht "wollenen" Chemiefasern überhaupt zulässig sind. Wolle ist ein Naturprodukt und vom Gesetzgeber als solches schon mal im Textilkennzeichnungsgesetz (TKG) der Art geschützt, dass Chemiefasern wie beispielsweise Trevira, Modal, Polyester nicht als Wolle bezeichntet werden dürfen. Die Bezeichnung Wolle darf nur für Fasern vom Fell des Schafes und auch zur Benennung eines Gemischs aus Fasern von der Schafschur und und aus Haaren speziell im TKG aufgeführter Tiere (Alpaka, Lama, Kaschmir etc.) verwendet werden. Hier wird zum Schutz des Verbrauchers ein Standard gesetzt, der sich wohl auf die hervorragenden Trageeigenschaften eine Wollerzeugnisses gründet. Unabhängig davon, ob nun eine "wollene" Robe heute noch dem Erlass des Preußenkönigs genügen muss oder ob Polyestergewebe erlaubt sind (eigentlich eine reizvolle Frage), sollten bei einem Robenkauf die Qualitätsunterschiede schon bedacht werden. Hier auszugsweise eine Antwort auf Kundenfragen im Natterer-Roben-Shop:

"Seit wir die Trageeigenschaften von Roben untersucht und auf die Nachteile von Polyestergeweben hingewiesen haben, sind die Lager der Robenanbieter gespalten, es kam sogar zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Das OLG Stuttgart (Akt.Z.: 2 U 91/1) bestätigte in seinen Entscheidungsgründen: "... dass in weiten Teilen der Bevölkerung ein Polyesteranteil in Kleidungsstücken negativ bewertet wird. Der Chemiefaser Polyester wird allgemein eine schweißtreibende Wirkung und eine elektrostatische Aufladung zugeschrieben ..." In einer weiteren Rechtssache, die im Jahre 2000 beim Kammergericht Berlin endete, bestätigte ein vereidigter Textilsachverständiger die schweißtreibenden, statisch sich aufladenden Eigenschaften von Roben, die teilweise aus Polyestergeweben hergestellt wurden (den kompletten Text, der erklärt, warum Polyestergewebe sich bei Roben nachteilig auswirken, senden wir Ihnen gerne zu). Er bestätigte darüberhinaus die Richtigkeit unserer Behauptung: "Im Gegensatz zu anderen Roben sind die Besatzstoffe der Robe Elite nicht aus Polyester. Polyester ist eine Chemiefaser. Sie lädt sich elektrostatisch auf und wirkt schweißtreibend.""

Welche Roben-Qualitäten werden überwiegend angeboten?

Anwaltsroben 

  • Roben aus 100% Polyester (Oberstoff und Besatzstoffe aus Polyester) 
  • Roben aus Mischgewebe (Oberstoff aus Schurwolle/Trevira, Schurwolle/Polyester etc., Besatzstoffe aus Polyester)
  • Roben aus Schurwolle (Oberstoff aus Schurwolle, Besatzstoffe aus Polyester)
  • Roben aus Merino-Schurwolle (Oberstoff aus der besten Schafschurwolle, Besatzstoffe aus Acetat oder reiner Seide)

Richterroben, Staatsanwaltsroben

  • Roben aus 100% Polyester (Oberstoff aus Polyester, Besatzstoffe aus Baumwolle)
  • Roben aus Mischgewebe (Oberstoff aus Schurwolle/Trevira, Schurwolle/Polyester etc., Besatzstoffe aus Baumwolle)
  • Roben aus Schurwolle (Oberstoff aus Schurwolle, Besatzstoffe aus Baumwolle)
  • Roben aus Merino-Schurwolle (Oberstoff aus der besten Schafschurwolle, Besatzstoffe aus Baumwolle)

Was Sie sonst noch wissen sollten:

Die Merino-Schurwolle ist die beste Schafschurwolle! Sie hat den höchsten Tragekomfort, die besten klimatisierenden Trageeigenschaften, ist knitterarm und trotz ihrer Feinheit sehr strapazierfähig.

Der Tragekomfort einer Robe hängt einerseits davon ab, wie schwer dieser "wollene Mantel" ist. Hier ist das Gewicht des Oberstoffes ausschlaggebend. Es ist noch gar nicht so lange her, da waren Roben mehrere Kilo schwer. Heute werden Roben bevorzugt, die sehr leicht sind. 600-700 Gramm. Mehr sollte eine Robe heute nicht mehr wiegen. Der Oberstoff sollte also ein Quadratmetergewicht von etwa 160 Gramm nicht überschreiten. Zu leicht darf ein Oberstoff auch nicht sein, denn dann wird er lappig, durchsichtig und verliert an Strapazierfähigkeit. Die 150-Gramm-Grenze sollte möglichst nicht unterschritten werden. Natürlich stellt sich ein optimaler Tragekomfort dann nur ein, wenn alle bekleidungstechnischen Vorgaben erfüllt sind. Ein hochwertiger Schurwollstoff klimatisiert nur dann, wenn ihn keine nicht atmungsaktiven Futter- oder Besatzstoffe (z.B. Polyester) beeinträchtigen. Letztendlich entscheidet auch die Schnittkonstruktion einer Robe über die Passform und somit über ein optimales Tragegefühl.

Die Besatzstoffe bei Anwaltsroben müssen nach div. Ländervorschriften aus Seide sein. Kunstseide oder reine Seide, hierüber gibt es offensichtlich keine Vorschriften. Es gilt aber zu bedenken, dass Kunstseide ein verifizierter Begriff ist, der Polyestergewebe nicht mit einschließt. Kunstseide kann allenfalls Viskose, Acetat oder Kupferseide sein. In wie weit die auf dem Markt befindlichen Anwaltsroben den Besatzstoff-Vorschriften entsprechen, sei dahingestellt. Sicher ist aber, dass die Anwaltsrobe ELITE die Besatzstoffe bietet, die den Vorschrifen entsprechen: Reine Seide oder Kunstseide (Acetat).

Im OLG-Bezirk Stuttgart gilt die Ausnahmeregelung, dass Anwaltsroben auch wie Richter/Staatsanwaltsroben aussehen dürfen, also samtene Besätze haben dürfen.

Roben-Shop

Sie möchten eine Robe kaufen?

zum Roben-Shop